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Usedom: Schlüsseldienst zockt Gäste ab

Trassenheide. Das Berliner Ehepaar Werner und Hildegard Eichhorst ist in seiner Ferienwohnung in Trassenheide auf der Insel Usedom vom Schlüsseldienst Sun 24 Notdienst Ltd. aus Gransebieth abgezockt worden. Für eine Türöffnung am 2. Juni, einem Sonntagabend, mussten sie 414,12 Euro bezahlen. Da angeblich das Schloss dabei kaputtgegangen sei, baute der gleiche Schlüsseldienst zwei Tage später ein neues ein und verlangte dafür erneut 332,30 Euro. Macht insgesamt 746,42 Euro.

Das hochbetagte und kranke Ehepaar — er ist 84, sie 85 Jahre alt und zu 100 Prozent schwerbehindert — hatte die Nummer des Schlüsseldienstes im Telefonbuch gefunden. „Ich wusste nicht, dass man so viel bezahlen muss. Für uns bedeutet das einen deutlich kürzeren Urlaub als geplant. „Das Geld fehlt ja“, sagt Werner Eichhorst traurig. Seine Gattin zuckt nur hilflos mit den Schultern.

Für Trassenheides Kurdirektor Werner Burkhardt ist das Geschehen unfassbar. „So geht man doch nicht mit alten Menschen und dann noch mit Urlaubern um. Das wirft ein ganzes Licht auf unser Urlaubsland“, verurteilt er derartige Machenschaften. Nadine Specht, Kurdirektorin in Koserow, ist fassungslos. „Sich an der Not von Feriengästen zu bereichern, verurteile ich. Wir raten unseren Urlaubern in solchen Notfällen immer, in die Kurverwaltung zu kommen oder wenigstens nach einem einheimischen Betrieb zu fragen“, sagt sie.

„Das ist Abzocke“, sagt Norbert Braun vom gleichnamigen Schlüsseldienst aus Zempin. Braun nennt als Preis für eine normale Türöffnung 45 Euro, am Wochenende koste es 65 Euro. Die Verbraucherzentrale MV kennt viele Fälle von überteuerten Schlüsseldienst-Rechnungen. „Wir raten in jedem Fall zur Strafanzeige und der schriftlichen Rückforderung des zu viel gezahlten Geldes“, sagt Joachim Geburtig, Jurist der Verbraucherzentrale.

Die Firma Sun 24 Notdienst Ltd. war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Ein Mitarbeiter erklärte nur, dass Fragen schriftlich eingereicht werden müssten und später beantwortet würden.

Sylvia Schöndube, Inhaberin des Restaurants „Domizil“ in Trassenheide, und ihr Angestellter André Stübe hat das Paar schon öfter bedient. „Wir möchten, dass die Senioren einen schönen Urlaub haben, laden sie zum Essen ein. Vielleicht finden sich ja weitere Helfer auf der Insel. Wenn alle ein bisschen geben, können die Senioren vielleicht doch bleiben“, hoffen sie. „Daran wage ich noch nicht zu denken“, sagt Werner Eichhorst. Cornelia Meerkatz.

Das ist die erste Rechnung für das Öffnen der Türe. Schlosseinbau wurde nochmal mit über 300€ berechnet.

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Bildquelle: *Light Painting* / Foter / CC BY

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