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Schlüsseldienst Abzocke! Freispruch vor Gericht

Eine Altenpflegerin (33) aus dem Landkreis Landshut hatte das Haus im Januar 2012 mit ihren drei Kindern verlassen. Als sie ins Auto stieg, bemerkte sie, dass sie ihren Schlüsselbund, an dem auch der Autoschlüssel hing, vergessen hatte. Da war es allerdings zu spät: Die Haustür war bereits ins Schloss gefallen. Mit ihrem Handy rief die Frau daraufhin eine Freundin an. Die gab ihr Telefonnummern von Schlüsseldiensten durch.

Ohne zu ahnen, dass sie einen Dienstleister in einer 70 Kilometer entfernten Hallertauer Ortschaft an der Strippe hatte – im Telefonbuch war lediglich eine Handynummer angegeben – beorderte die 33-Jährige Johann R. (49, Name geändert) zu sich. Mit einer Art Scheckkarte, die er durch den Türspalt zog, so die Altenpflegerin vor dem Amtsgericht Landshut, war der Schlamassel nach ein bis zwei Minuten behoben. Das dicke Ende kam nach: Eine Rechnung über 329 Euro. Die 33-Jährige erstattete Anzeige und die Landshuter Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass es sich um Wucher handle: Der Schlüsseldienst habe die Notlage der Kundin ausgenutzt.

Johann R., beileibe kein unbeschriebenes Blatt, sah das anders: Er sei angesichts der winterlichen Straßenverhältnisse eineinhalb Stunden für die einfach Strecke unterwegs gewesen, habe dann zum Öffnen der Haustür etwa 20 Minuten gebraucht. Der Betrag bestünde aus 78 Euro für die An- und Abfahrt, 99 Euro für das Öffnen der Tür, 70 Euro Abendzuschlag und 30 Euro pauschal für den „Werkzeugverbrauch“ – mache zusammen 277 Euro, mit Mehrwertsteuer dann 329 Euro. Die Rechnung habe er erst gestellt, nachdem die Tür geöffnet gewesen sei. Die 33-Jährige konnte sich indes nicht mehr erinnern, wann sie die Rechnung unterschrieben habe: Vor der Dienstleistung, wie sie es noch bei der Polizei angegeben hatte, oder erst nachher.

Richter Bernhard Suttner stellte das Verfahren ein, weil nicht mehr zu eruieren war, wann die Rechnung gestellt wurde. Wenn die Tür schon geöffnet war, habe sich die Frau bei ihrer Unterschrift in keiner Zwangslage mehr befunden. Allerdings machte der Richter klar, dass Beträge über 200 Euro Wucher seien. Dass die Rechnung um mindestens 50 Prozent zu hoch ausgefallen war, hatte vorher auch ein Sachverständiger bestätigt.

Bildquelle:  StockMonkeys.com / Foter / CC BY

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