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Fast 700 Euro für dubiosen Schlüsselnotdienst

Stockach – Abgezockt und bedroht – eine Stockacherin musste 680 Euro für einen Schlüsselnotdienst bezahlen.

Anfangs ist es nur ein Ungeschick. Es ist Samstagnachmittag und Monika S. aus Stockach versucht vergeblich, ihre nur zugezogene Wohnungstür aufzuschließen. Der Schlüssel lässt sich weder nach links noch nach rechts bewegen – ein Schlüsseldienst muss her.

Am Telefon ist zunächst von knapp 200 Euro die Rede

Im örtlichen Telefonbuch verspricht ein Schlüsselnotdienst mit Wahlwieser Adresse unter „A.A.A. Absicherungen aller Art“ rund um die Uhr Hilfe. Am Telefon ist zunächst von knapp 200 Euro die Rede. Die Monteure könnten in zwei Stunden bei ihr sein, heißt es. Monika S. willigt ein. Sie ahnt nicht, dass sie in einen Hinterhalt geraten und am Ende des Tages eine Rechnung von 680 Euro in den Händen halten soll. Ihr Name ist von der Redaktion geändert, weil Monika S. sonst Repressalien befürchtet.

Vier Stunden später fahren zwei Männer in einem Mercedes mit Essener Kennzeichen vor. Monika S. wird klar, dass sie bei der Wahl einer 0800-Nummer kein örtliches Unternehmen beauftragt hat. Sie muss eine Auftragserteilung unterschreiben, bevor die beiden Monteure mit der Arbeit beginnen und grob und unbeholfen an der Tür herumbrechen.

Zwei Männer mit Essener Kennzeichen

Nach 50 Minuten ist der Profilzylinder des Schlosses ausgewechselt, die Tür an mehreren Stellen beschädigt und das Schloss wieder funktionsfähig. Die beiden Männer bedrängen Monika S. sofort zu bezahlen und drohen ihr mit hohen Folgekosten. Ein Blick auf die Rechnung zeigt die Auflistung: 159 Euro für den Einsatz plus einem hundertprozentigen Samstagszuschlag sowie Anfahrtskosten, Kosten für den neuen Zylinder, Schlüssel und Mehrarbeitszeit. Monika S. ist erschrocken und eingeschüchtert, unterschreibt die Rechnung und zahlt direkt mit EC-Karte. Als der Wagen vom Parkplatz rauscht, ist sie sich sicher: Sie ist Betrügern aufgesessen.

Was mit einem kleinen Seufzer beginnt, endet immer wieder in großer Verärgerung, denn wenn aus einer zugezogenen Tür eine Rechnung von fast 700 Euro wird, bleiben offene Fragen. Dass Vorfälle wie diese in der Region häufig vorkommen, kann Michael Aschenbrenner, Pressesprecher der Polizeidirektion Konstanz, nicht bestätigen. Er rät kritisch zu sein und 0800-Nummern zu meiden, denn ein lokaler Handwerker habe eine lokale Vorwahl. In ländlichen Regionen gäbe es gute Alternativen, die dem Telefonbucheintrag vorzuziehen seien, sagt er. Beispielsweise könne der Nachbar nach einer seriösen Adresse gefragt werden.

Schlüsseldienst ohne Niederlassung in der Region

Auf Nachfrage bestätigt Elke Karotsch vom Gewerbeamt in Stockach, dass der von Monika S. beauftragte Schlüsseldienst keine Niederlassung in Wahlwies hat. Telefonische Anfragen bei dem Schlüsseldienst werden unfreundlich abgewehrt und Anrufe der Redaktion schließlich technisch blockiert. Für einen seriösen Schlüsseldienst wäre das eine ungewöhnliche Reaktion. Bei der Suche im Internet sind unter demselben Namen Adressen in ganz Deutschland angegeben; es ist nicht auszuschließen, dass auch diese falsch sind.

Ob ein Fall wie der von Monika S. tatsächlich Angelegenheit der Polizei ist, hänge vom Einzelfall ab, so Aschenbrenner. Die Polizei kann handeln, wenn Leistungen berechnet wurden, die gar nicht erbracht worden sind. In dem Fall würde wegen Betrug ermittelt werden. Gehe es aber „lediglich“ um überteuerte Leistungen, sei es Vertragssache und somit eine zivilrechtliche Angelegenheit.

Dann müsse sich der Betroffene an den Verbraucherschutz und einen Rechtsanwalt wenden. Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sind solche Vorfälle nur allzu gut bekannt. Er warnt davor, übereilt zu zahlen. Besser sei es, eine Rechnung zu verlangen und in Ruhe zu schauen, ob die aufgelisteten Leistungen alle erbracht wurden. Wenn bereits bezahlt wurde, sei es im Nachhinein schwierig, noch etwas zu erreichen. Wer rechtsschutzversichert ist, könne versuchen, wegen Wucher zu argumentieren.

Monika S. hat lange überlegt und beschlossen, keine rechtlichen Schritte einzuleiten. Das Risiko, den Rechtsstreit und damit wieder Geld zu verlieren, ist ihr zu hoch.

Quelle:Südkurier

Bildquelle: gadl via Compfight cc

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