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Dauerbrenner Schwarze Scharfe im Notdienst

Oft beginnen sie mit A. Oder mit A.A. Oder mit A.A.A. – danach folgt in vielen Fällen ein Vertrauen erweckender Fantasiename: Schlüsseldienste, die mit Vorsicht zu genießen sind. Einmal Tür aufschließen am Wochenende oder nachts – so was kostet nicht selten ein kleines Vermögen. Der Buchstabe A – einfach oder mehrfach genannt, sorgt für die beste Platzierung im Telefonbuch. Manchmal haben sie auch eine 0800er-Vorwahl – oder geben mit einer bestimmten Ortsnetzkennzahl vor, dass der Kunde nur kurze Anfahrtswege bezahlen muss, was sich am Ende jedoch als Lug und Trug herausstellt.

Schlüsseldienste, die die Not der Kunden ausnutzen, seien ein konstanter Dauerläufer auch in der Region, sagt Albrecht Lindenberger, Leiter der Rechtsabteilung der IHK Ludwigsburg. Eigentlich seien Probleme mit dubiosen Schlüsseldiensten vorrangig ein Thema für den Verbraucherschutz, aber auch die IHK werde alle Jahre wieder gegen Unternehmen aktiv, von denen sich Kunden ausgenommen fühlen. Mit unterschiedlichen Ergebnissen: „Manche Unternehmen reagieren gar nicht, manche lassen sich auf einen preislichen Kompromiss ein, manche reden sich heraus und führen die versehentlich zu hoch ausgefallene Rechnung auf einen Irrtum zurück.“ Und manche sind gewerblich gar nicht angemeldet – schwarze Schafe, die Schwarzarbeit verrichten. Gelegentlich schalte die IHK Ludwigsburg auch öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige ein, um einen Vergleich zwischen sittenwidrigen und ortsüblichen Preisen zu ermitteln und zu demonstrieren.

Auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart ist die Abzocke durch dubiose Schlüsseldienst ein Dauerbrenner in der Beratung. „Es melden sich regelmäßig Verbraucher bei uns, die ,abgezockt wurden“, weiß Niklaas Haskamp, Pressereferent bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V.

Häufigste Masche: „Im örtlichen Telefonbuch oder Branchenbuch findet sich die Telefonnummer eines angeblich ortsansässigen Schlüsseldienstes. Am Ende stellt sich aber heraus, dass der Schlüsseldienst gar nicht aus der näheren Umgebung kommt. Dadurch verlängert sich nicht nur die Anfahrts- und für den Ausgesperrten somit die Wartezeit, es werden auch zusätzliche Kosten für die Anfahrt in Rechnung gestellt.“ Besonders perfide: Oftmals werde die Wohnungstür von besagten Schlüsseldiensten aufgebrochen oder das Schloss ausgewechselt, obwohl dies bei einer nur zugefallenen oder zugezogenen Türe überhaupt nicht nötig gewesen wäre.

Was raten die Verbraucherschützer – sowohl im aktuellen Schadensfall als auch als Vorsorge für den „Schlüssel-Notfall“?

„Bei einem bereits eingetretenen Schadensfall sollte auch in der dann vorliegenden Notsituation nicht übereilt gezahlt oder alles unterschrieben werden. Man sollte immer eine Rechnung verlangen und nicht sofort in bar bezahlen“, so der Rat von Niklaas Haskamp.

Vorsorglich könne man sich einen Schlüsseldienst vor Ort suchen, an den man sich dann im Notfall wenden könne. Wenn der Notfall dann doch unerwartet eintrete, sollte man sich bei den Anbietern im Branchenbuch genau erkundigen, wo sich der Firmensitz befindet und genau nachfragen, welche Kosten entstehen.

Und natürlich sei es eine gute Vorsorge, einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson zu deponieren.

Hat man bei der Verbraucherzentrale in Stuttgart – oder sogar von juristischer Seite – schon mal recherchiert, mit welchen Methoden die betreffenden Schlüsseldienste arbeiten?

Niklaas Haskamp: „Bekannt ist, dass die Schlüsselnotdienste in den örtlichen Branchenbüchern häufig nicht ortsansässig sind, obwohl der Eintrag beispielsweise mit der entsprechenden Vorwahlnummer erfolgt und so der Eindruck erweckt wird, es handele sich um ein Unternehmen aus der Nähe. Häufig wird die Türöffnung durch beauftragte Franchisenehmer vorgenommen, auf dem Auftrags- oder Rechnungsformular sind dann aber andere Firmenadressen angegeben.“

Ist ein solches Geschäftsgebaren überhaupt legal? Niklaas Haskamp: „In der Regel arbeiten Schlüsseldienste rechtmäßig. Jedoch gibt es wie überall auch hier schwarze Schafe. Wird beispielsweise schon vor einem Tätigwerden eine Pauschale in bar verlangt, wird die Ausstellung einer Rechnung verweigert oder ist eine Bezahlung nur in bar oder per EC-Karte möglich, könnten dies Hinweise auf solche Unternehmen sein. Ein wichtiger Hinweis für die Seriosität eines Unternehmens ist auch die vollständige Anschrift (nicht nur Postfachadresse) und einer Steuernummer auf der Rechnung.“

Wie kann man sich gegen sie wehren? Abgesehen von der Vorsorge durch das Hinterlegen eines Schlüssels bei einer Vertrauensperson, genauen Erkundigungen und klaren Absprachen mit beauftragten Schlüsseldiensten schlägt der Pressesprecher der Verbraucherzentrale vor: „Werden Positionen in Rechnung gestellt, die nicht oder nicht in dieser Weise erbracht wurden, sollte nicht der komplette Betrag bezahlt werden. Ist man mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden, dann sollte man sich entweder an die Verbraucherzentrale, die Handwerkskammern oder auch die IHK wenden. Diese können eine Einschätzung abgeben, welche Zuschläge oder Positionen zulässig sind oder nicht.“

Ganz wichtig: „Auch in dieser besonderen Notfallsituation sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen.“

Ein Lichtblick, der Hoffnung macht: Es gibt auch vertrauenswürdige Unternehmen. Niklaas Haskamp: „Nach einem seriösen Schlüsseldienst sollte man sich am besten bereits im Vorfeld umsehen. Oft bieten auch kleine Schlossereien in der Nähe einen Notdienst an.“

VON INGA STOLL

Bildquelle: |Chris| via Compfight cc

 

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