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Betrug beim Schlüsseldienst

Ein 33-jähriger Coburger sollte in einer bitterkalten Nacht 700 Euro zahlen. Der Monteur war über ein Callcenter aus Hof gekommen und wird nun zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Vorsicht: Wer jetzt unüberlegt handelt, ist schnell sehr viel Geld los.

Coburg – Damit ein Coburger wieder in seine Wohnung kommt, berappt er an einen Schlüsseldienst 705,67 Euro. „Es ist die berühmte Geschichte mit dem Kühlschrank für den Eskimo“, meint Amtsrichter Wolfram Bauer. Es sei ein bitterkalter Tag im Februar 2012 gewesen, berichtet der 33-Jährige bei der Verhandlung gegen einen Monteur am Mittwoch in Coburg. Er habe sich nach einem Krankenhausaufenthalt auf seine Wohnung gefreut und bei minus zwölf Grad schnell nach Hause gewollt. Ausgerechnet da klemmt das Schloss. Der Schlüssel bleibt in der Wohnungstür stecken, nichts geht mehr.

Per Handy ruft der Mann einen Schlüsseldienst. Dabei habe alles, auch die Adresse der Firma, darauf hingedeutet, dass schnelle Hilfe aus Coburg komme. Etwa eine halbe Stunde soll es dauern, bis der „Türöffner“ da ist. Es werden an die neunzig Minuten, trotz mehrfacher telefonischer Nachfrage des Ausgesperrten.

Als der Monteur endlich eintrifft, hat es der 33-Jährige eilig. Schließlich herrscht Eiseskälte. Zudem sei er noch von seiner Operation geschlaucht gewesen und habe die in der Wohnung befindlichen Medikamente benötigt. Er habe daher nicht zweimal gefragt, als ihm der Monteur als Preis für den Einlass etwa 400 Euro genannt habe. Der Coburger unterschreibt den Auftrag und gibt damit auch sein Einverständnis, den Monteur nach der Öffnung auf der Stelle zu bezahlen. Am Ende stehen über 700 Euro auf der Rechnung. „Ich hatte ja keine Ahnung, was so etwas kostet“, so der 33-Jährige. Dazu kommt die Erleichterung, endlich in die Wohnung zu kommen. Er zahlt mit der EC-Karte.

Erst später, im Gespräch mit Bekannten, dämmert ihm, dass er doch zu viel für die Dienstleistung bezahlt haben könnte. „Bei dem Preis kam ich mir dann doch über den Tisch gezogen vor.“ Zwar hat der Vermieter die Rechnung beglichen. Dennoch erstattet der 33-Jährige Anzeige, weil er mittlerweile überzeugt ist, einen Wucherpreis bezahlt zu haben.

Wie sich bei der Verhandlung herausstellt, ist der Monteur von einem Callcenter weit weg von Coburg beauftragt worden. Er selbst hatte seinen Sitz ebenfalls nicht gleich um die Ecke, sondern in Hof. Der 30-Jährige schiebt jede Verantwortung auf seinen damaligen Arbeitgeber. Der Schlüsseldienst habe vorgegeben, was für die Arbeitsstunde, für Anfahrt oder Material zu verlangen sei.

Richter Bauer hat als Experten für Türschlösser einen Metallbauer vorgeladen. Dem zaubern die vom Angeklagten genannten Preise ein ungläubiges Lächeln ins Gesicht. Ein neues Schloss zum Beispiel, durchaus gute Qualität, taxiert der Sachverständige auf etwa 40 Euro netto. Und wenn es etwas „Superexotisches“ sein darf, kann es auch schon einmal das Doppelte kosten.

Der Schlüsseldienst-Monteur hat diesen Posten mit 180 Euro berechnet. Das sind mehr als 100 Prozent über dem marktüblichen Preis, was den Tatbestand des Wuchers erfüllt.

Auf Wucher lautet die Anklage, schachern will die Verteidigung. Denn schließlich überschritten nicht alle Posten auf der teuren Rechnung die Grenze des 100-prozentigen Aufschlags.

Richter Bauer will sich darauf auch nicht ein klein wenig einlassen. Schon zum Ende der Beweisaufnahme sagt er unverblümt, dass Betrug statt Wucher zur Debatte stehe. Der Grund: So wenig, wie Bewohner eisiger Gefilde einen Kühlschrank brauchen, hat der 33-Jährige vor gut einem Jahr Schloss und Schließzylinder in edelster Ausführung benötigt.

Das Schloss an der Wohnungstür ist Teil einer Schließanlage in einem von mehreren Parteien bewohnten Haus. Daher muss der Vermieter ohnehin ein neues, zum Schlüsselsystem passendes Schloss einbauen lassen. Das sündhaft teure Schloss des Schlüsseldiensts erweist sich als Provisorium für ein paar Wochen. „Da hätte es auch ein Zylinder vom Baumarkt für 25 Euro getan“, stellt der Sachverständige lapidar fest.

Zu dem Schluss kommt auch Richter Bauer. Der Monteur habe die Unkenntnis des 33-Jährigen ausgenutzt, um ihm „völlig nutzlose Dinge anzudrehen“. Und das sei eben Betrug. Mit Verweis auf die doch im Verhältnis zu anderen Fällen niedrige Schadenssumme und die bislang weiße Weste des Angeklagten verurteilt Bauer den Monteur zu einer Geldstrafe von 4500 Euro.

Quelle Neue Presse Coburg vom 07.03.2013
Von Mathias Mathes

Bildquelle: gadl via Compfight cc

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