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Beschädigungsfreies Öffnen von Schlössern: Lockpicking

Unter Lockpicking (vom englischen: lock = Schloss + to pick = picken, stochern) oder Nachschließen, umgangssprachlich: Picking, versteht man die Aufsperrtechnik zum Öffnen von Schlössern, ohne einen dafür passenden Schlüssel zu besitzen und ohne das Schloss zu beschädigen. Lockpicking wird von Kriminellen, Schlüsseldiensten, der Polizei, Geheimdiensten und als legaler Sport betrieben.

Um Schlösser ohne einen Schlüssel zu öffnen, nutzt man die mechanischen Ungenauigkeiten eines Schlosses aus. Ein Schloss ermöglicht die Eingabe eines Codes, dieser kann beispielsweise eine fünfstellige Zahl sein (d.h. unter Vernachlässigung baubedingter Einschränkungen 100.000 mögliche Kombinationen), jede Stelle ist in Form einer Einkerbung einer bestimmten Tiefe im Bart des Schlüssels codiert. Bei Eingabe eines richtigen Codes (eines schließenden Schlüssels) lässt sich das Schloss öffnen, bei Eingabe eines falschen Codes nicht.

Da die Anzahl der falschen Codes bei einem bestimmten Schloss um ein Vielfaches größer ist als die der richtigen, ist es sehr schwierig, durch Zufall einen richtigen Code zu finden. Ein Angreifer könnte nur alle möglichen Codes der Reihe nach ausprobieren, bis er durch Zufall auf einen richtigen stößt. In der Praxis ist es jedoch so, dass ein Schloss bereits bei Eingabe eines Teilcodes (z. B. Bewegen eines Stiftes) eine Rückmeldung darüber gibt, ob der Teilcode richtig ist oder nicht. Dadurch ist es in unserem Beispiel möglich, alle fünf Stifte, die bei Verwendung des Schlüssels durch die Einkerbungen im Bart verschoben werden, einzeln in die richtige Position zu bringen, wodurch der Aufwand für eine Öffnung massiv verringert wird. Ermöglicht wird dies durch Fertigungsungenauigkeiten, die z. B. dazu führen, dass ein Stift früher bindet, d.h. Rückmeldung über den richtigen Teilcode gibt, als ein anderer.

Eine andere, passive Methode des Nachschließens besteht darin, das Schloss oder die Abnutzungsspuren, die bei Verwendung des Schlosses mit dem richtigen Schlüssel entstehen (z. B. hervorgerufen durch verschieden lange Zähne eines Schlüssels), zu analysieren, um so einen richtigen Code in Erfahrung zu bringen und einen Nachschlüssel anfertigen zu können.

In den folgenden Abschnitten wird im Speziellen auf die in Mitteleuropa weit verbreiteten Stiftschlösser eingegangen, prinzipiell lassen sich aber alle mechanischen Schlösser nachschließen. Für Chubbschlösser existiert beispielsweise der Hobbs’sche Haken, für Drehscheibenschlösser spezielle Koaxialwerkzeuge, auch mechanische Kombinationsschlösser (Tresorschlösser) lassen sich – ganz ohne Verwendung von Werkzeugen, nur durch Sensorik – nachschließen.

Es gibt Firmen, die sich auf die Herstellung von ausgeklügelten Pickwerkzeugen spezialisiert haben, der Verkauf erfolgt teilweise nur an Schlüsseldienste oder Polizeibehörden und Geheimdienste. Ob ein bestimmtes Schloss nachgeschlossen werden kann, hängt von drei Parametern ab: der zur Verfügung stehenden Zeit, den einsetzbaren Werkzeugen und den persönlichen Kenntnissen. Die benötigte Zeit liegt, abhängig von diesen Parametern und vom Schloss, im Bereich von Sekunden bis hin zu Stunden oder es gibt keinen bekannten erfolgreichen Angriff. Ein gewöhnlicher Einbrecher wählt im Normalfall den einfachsten Weg und wird beispielsweise eine Tür mit Gewalt aufbrechen, sollte das gewaltfreie Öffnen des Schlosses zu viel Mittel in Anspruch nehmen.

Schätzungen der Polizeibehörden zufolge erfolgen nur rund 0,5 Prozent der Einbrüche durch Nachschließen des Schlosses. Soll der Eintritt jedoch verdeckt und unbemerkt erfolgen, was im Umfeld von klassischer Spionage, polizeilicher Überwachung, Industriespionage und sonstigem Informationsdiebstahl zum Tragen kommt, so spielt die Sicherheit des Schlosses gegen Nachschließen eine große Rolle.

Auch bei Tresoren wird gerne der Weg gewählt, das Schloss nachzuschließen, da die Hürde für eine Öffnung mit Gewalt durch die massive Konstruktion sehr hoch gelegt ist. Ein legaler Bedarf ergibt sich, wenn der rechtmäßige Besitzer seinen Schlüssel verloren hat und z. B. eine Türe möglichst ohne Beschädigung geöffnet haben will. Da mechanische Schlösser grundsätzlich immer für Nachschließen anfällig sind, werden im Hochsicherheitsbereich verstärkt elektronische Schlösser eingesetzt. So lässt beispielsweise die US-Behörde General Services Administration nur mehr elektronische Schlösser zum Schutz von vertraulichen Dokumenten zu.

Bildquelle: azken_tximinoa / Foter / CC BY

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